Schloss Hamborn Rudolf Steiner Werkgemeinschaft e. V.

Die Historie von Schloss Hamborn – eine spannende Geschichte

Tief verwurzelt
Die Gründungsidee von Schloss Hamborn ist die Verwirklichung pädagogischer, landwirtschaftlicher, medizinischer und sozialer Bereiche, aus dem Impuls der Anthroposophie im Gemeinwesen. Dabei führen die Wurzeln des heutigen gemeinnützigen Vereins „Schloss Hamborn Rudolf Steiner Werkgemeinschaft e. V.“ zurück bis ins Jahr 1931, als Siegfried Pickert (deutscher Anthroposoph und Pädagoge, Mitbegründer der anthroposophischen Heilpädagogik) mit Hilfe Schweizer Freunde und Georg Moritz von Sachsen-Altenburg (Erbprinz des Hauses Sachsen-Altenburg und Anhänger sowie Förderer der Anthroposophie) das Gut Schloss Hamborn erwarb.

Vom „Lauenstein“ nach Schloss Hamborn
Die Historie der Einrichtung begann 1931 als sich der Heilpädagoge Siegfried Pickert, Mitgründer des ersten Heilpädagogischen Heims in Jena, dem „Lauenstein“, nach einem Anwesen für seine Menschen mit Beeinträchtigungen umsah, wo eine lebenslange Versorgung mit Arbeitsmöglichkeiten gegeben sein sollte. Aufgrund der räumlichen Begrenztheit am „Lauenstein“ in Jena fiel die Wahl auf das weitläufige Gut Schloss Hamborn. So zog Pickert mit 40 Kindern und einigen Mitarbeiter:innen in das Schloss ein. Die Einweihung fand Pfingsten 1932 im Beisein der Ärztin Dr. Ita Wegman statt.

Die zwei Gründungsväter von Schloss Hamborn
1931 schloss sich Georg Moritz der heilpädagogischen Initiative von Siegfried Pickert an und im Dezember 1931 kauft der „Heilerziehungs- und Erholungsheim Schloss Hamborn e. V.“ das Landgut Schloss Hamborn. Das große Anwesen sollte neben der lebenslangen Betreuung von Behinderten auch für Schwererziehbare, Milieugeschädigte und Arbeitslose Entwicklungs- und Arbeitsmöglichkeiten bieten. Zudem sollte ein Erholungsheim auf der Grundlage der anthroposophischen Medizin aufgebaut werden. Die ausgedehnten landwirtschaftlichen Nutzflächen wurden auf die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise umgestellt. So entstand ein umfassendes und vielseitiges Projekt, das medizinische, pädagogische und landwirtschaftliche Tätigkeiten auf der Grundlage des anthroposophischen Impulses zusammenwirken lassen wollte. Mitten in einer von der Wirtschaftskrise und den politischen Stimmungen der untergehenden Weimarer Republik geprägten Zeit, fanden Siegfried Pickert und Georg Moritz hier ihre Lebensaufgabe.

Schwierigkeiten, Anfeindungen und Enteignung
Aber Schwierigkeiten gab es nicht nur im Aufbau der Anlage zu bewältigen, sie kamen durch die politischen Entwicklungen auch zunehmend von außen. Angesichts der Machtergreifung wurde bald ein Verbot durch die lokalen Behörden erlassen, die inzwischen von Nationalsozialisten durchsetzt waren. Im Herbst 1935 wurde für das als "Fremdkörper“ bezeichnete Heim eine Schließungsfrist von nur drei Wochen verfügt. Um der drohenden Enteignung vorzugreifen, ließ Georg Moritz das Anwesen aus dem Trägerverein "Heil- und Erziehungsinstitut Schloss Hamborn e. V.“ herauslösen und schützend auf seinen international bekannten Namen überschreiben. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde die Situation immer schwieriger und auf den Verhaftungslisten der reichsweiten Gestapoaktion vom 9. Juni 1941 stand der Erbprinz von Sachsen-Altenburg mit an erster Stelle. Er wurde zusammen mit seinem Gutsverwalter Adolf Ammerschlaeger als Verantwortungsträger einer „staatsfeindlichen“ heilpädagogischen Initiative wie ein Verbrecher abgeführt. Das Heim wurde geschlossen, die Bewohner waren vorher in Sicherheit gebracht worden. Er blieb neun Monate in „staatspolizeilicher Schutzhaft“.

Die Wiederaufnahme der Arbeit
1946 kehrte Georg Moritz nach Schloss Hamborn zurück. Er konnte seine eingetragenen Rechte geltend machen, so dass Schloss Hamborn für die neu beginnende anthroposophische Arbeit zur Verfügung stand. Bis 1968 wirkte er dort zusammen mit Siegfried Pickert an verantwortlicher Stelle. Siegfried Pickert war im Anschluss noch bis 1985 als Lehrer in Schloss Hamborn tätig.

Schloss Hamborn heute
Heute können Sie den gemeinnützigen Verein Schloss Hamborn Rudolf Steiner Werkgemeinschaft e. V. als größten Arbeitgeber der Gemeinde Borchen mit einem selbstverwalteten Gemeinwesen erfahren. In diesem leben Menschen aller Altersstufen, die in verschiedenen anthroposophisch orientierten Betrieben lernen und arbeiten.

Recherche:
Interne Quellen und Biographie-Impuls Schloss Hamborn

Verlag Ch. Möllmann: Aus der Geschichte von Schloss Hamborn, 2009 - www.chmoellmann.de
https://biographien.kulturimpuls.org/