„Hier lebt Tradition mit Weitsicht“
Das Hofgut Schloss Hamborn gGmbH vereint biologisch-dynamische Landwirtschaft, handwerkliche Lebensmittelherstellung und gelebte Inklusion unter einem Dach. Als Inklusionsbetrieb schaffen wir Arbeitsplätze für Menschen mit und ohne Behinderung und übernehmen Verantwortung für Mensch, Natur und hochwertige Lebensmittel.
Gute Ideen leben länger
1941 wurde Schloss Hamborn durch die Nationalsozialisten enteignet, die Landwirtschaft zwangsverpachtet. Nach Kriegsende, im Jahr 1952, konnte die Geschichte des biologisch-dynamischen Landbaus – heute auf einer Fläche von 265 Hektar – fortgesetzt werden und ist heute auch unter dem aktuellen One Health-Ansatz bei Produzenten und Konsumenten gleichermaßen wertschätzend anerkannt. Das Hofgut zählt damit zu den ältesten Demeter Höfen in Deutschland.
Die Veredelung
1992 markiert den Beginn der Manufaktur: Wenn Sie heute das Hofgut Schloss Hamborn besuchen, treffen Sie bei Ihrem Rundgang auch auf die drei Betriebe, der genussvolle, ursprüngliche und hochwertige Bio-Lebensmittel überwiegend nach den strengen Demeter-Richtlinien hergestellt.
Mit dem Bau der Bäckerei 1992 wurde zunächst für die Eigenversorgung Brot herstellen. Sind Sie Frühaufsteher, steigt Ihnen schon früh morgens bei der Bäckerei der Duft verschiedener, prämierter Vollkornbrote, Brötchen, Kuchen und Feingebäck in die Nase. Bereits 1996 wurde dann die Hofkäserei gegründet.
Die stolzen Hornkühe von Schloss Hamborn, die Sie auf den weitläufigen Weiden antreffen können, versorgen die Käserei mit vollwertiger Milch für die hofeigenen Produkte, wie z. B. Joghurt, Quark, sowie vielfältige Weich-, Schnitt- und Hartkäse.
Im September 2015 konnte das Hofgut im eigens errichteten Neubau eingeweiht werden, jetzt auch mit Metzgerei. Der hofeigene Betrieb verarbeitet das Fleisch der Tiere u. a. im traditionellen Warmfleischverfahren.
Interessantes
Hofgut Schloss Hamborn - Ausgezeichnet für Nachhaltigkeit
Am 31. Oktober hat das Hofgut Schloss Hamborn das Zertifikat für ihre ersten Gemeinwohl-Bilanz erhalten. Mit diesem Berichtsformat wird sichtbar, was das Hofgut Schloss Hamborn bereits zur nachhaltigen Entwicklung beitragen und auch, was sie noch verbessern können.
„Aktuell wird viel über Nachhaltigkeits-Regulierung aus Brüssel gesprochen“, erläutert Berater Dr. Christoph Harrach von der Steinheimer Stiftung Gemeinwohl-Ökonomie NRW. „Das betrifft bisher nur große Unternehmen. Umso lobenswerter ist es, dass die beteiligten Firmen schon jetzt ihre sozial-ökologischen Auswirkungen in den Blick nehmen“.
Bilanz mit vielen Effekten
Für Gerd Bögeholz vom Hofgut Schloss Hamborn war die Gemeinwohl- Bilanzierung ein Weg, „unseren nachhaltig-ökologischen Ansatz sichtbarer zu machen. Dies ist ein klares Ergebnis der Bilanzierung gewesen, sie hat uns aber gleichzeitig Schwachstellen vor Augen geführt.“ So stehe für das Hofgut in nächster Zeit „die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation wie auch die Optimierung der Dokumentation im Vordergrund.“ Hierzu seien Projekte bereits eingeleitet, z.B. der neue Laden „Feld & Farm“ in Paderborn.
Unterstützung bekam das Hofgut von BWL-Studierenden am Lehrstuhl von Prof. Dr. René Fahr, Vizepräsident der Universität Paderborn. „Für Bildungsangebote zur nachhaltigen Entwicklung sind zukünftige Entscheiderinnen und Entscheider eine wichtige Zielgruppe“, erläutert Berater Christian Einsiedel von der Stiftung. Dabei gehe es nicht nur um trockene Theorie, sondern vor allem um Gestaltungskompetenz und Reflexionsfähigkeit. „Die Studierenden konnten vom Uni-Seminar direkt in die Beratungsrolle schlüpfen und diese Kompetenzen so ideal weiterentwickeln. Gleichzeitig profitierte auch das Hofgut von der Zusammenarbeit und hat viele neue Ideen mitgenommen“, so Einsiedel.
„Der Prozess war sehr spannend und aufschlussreich“, bestätigt Gerd Bögeholz vom Hofgut. „Vor allem die Interviews durch die Studierenden waren sehr interessant und haben zu einem gemeinsamen Lerneffekt geführt.“
Das Hofgut stellt nun auch seine Berichtsvorlage online. Darin liege „eine weitere Besonderheit der Gemeinwohl-Bilanz“, so Berater Dr. Christoph Harrach. Sie sei mehr als reines Marketing mit Nachhaltigkeitsthemen, weil nicht nur über Positives, sondern auch über kritische Themen berichtet werden müsse. „Diese Transparenz regt Organisationsentwicklung an“, ergänzt sein Kollege Christian Einsiedel.
Hintergrund-Informationen
Die Gemeinwohl-Ökonomie ist eine 2010 gegründete zivilgesellschaftliche Bewegung. Sie ist demokratisch organisiert und wird als lernendes System in Arbeitskreisen und einem weltweiten Netz von Regionalgruppen beständig weiterentwickelt. Ihr Ziel: Unternehmen, Kommunen und Bildungseinrichtungen dabei zu unterstützen, ihre Tätigkeit stärker mit ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit sowie demokratischen Grundwerten in Einklang zu bringen. Das Instrument der Gemeinwohl-Bilanz wird von dieser Bewegung beständig weiterentwickelt.
Prof. Dr. René Fahr ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insb. Corporate Governance an der Universität Paderborn und wissenschaftlicher Direktor des Experimentallabors der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Seit Juni 2019 ist René Fahr Vizepräsident für Wissens- und Technologietransfer der Universität Paderborn.
Die gemeinnützige Stiftung Gemeinwohl-Ökonomie NRW wurde 2017 auf private Initiative gegründet, ist wirtschaftlich und parteipolitisch unabhängig und setzt sich für einen Wandel der Wirtschaft hin zur Gemeinwohl-Ökonomie ein: Ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit sollten gleichberechtigt entwickelt werden, denn Wirtschaften mit wachsendem Ressourcenverbrauch ist in einer begrenzten Welt auf Dauer unmöglich.
GWÖ Berichtsvorlage Hofgut Schloss Hamborn
Link zur Website der gemeinnützige Stiftung Gemeinwohl-Ökonomie NRW
Ökolandbau
Demonstrationsbetrieb Schloss Hamborn im Porträt
Website der
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung
Referat 413, Projektgruppe Ökolandbau